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Jay Miner
1932 - 1994
Jay Miner wurde in Prescott, Arizona geboren, wuchs aber im Süden von Kalifornien
auf. Dort, in San Diego, ging er später auch zur Universität. Es war die Zeit des
Koreakriegs und er bewarb sich für die Küstenwache, die ihn zur Elektronikschule
nach Groton schickte. Dort traf er Caroline Poplawski, die er 1952 heiratete.
Nach dreijähriger Dienstzeit kehrte er mit seiner Frau nach Kalifornien zurück
und beendete sein Studium 1958 an der Universität von Berkeley als Ingenieur der
Elektrotechnik. In den folgenden zehn Jahren arbeitete er bei etlichen Firmen.
Bereits in dieser Zeit hatte er mit seiner Gesundheit zu kämpfen. Seine Nieren
funktionierten nicht richtig, was ihn zum Dialysepatienten machte.
Nachdem er einige der ersten digitalen Voltmeter und Taschenrechner entwickelt
hatte, kam er Mitte der 70er Jahre zu Atari. Die Firma hatte bereits ihr erstes
Videospiel "Pong" auf dem Markt und Jay Miner entwickelte nun ein Spielsystem,
das mit auswechselbaren Kassetten arbeitete - das "Video Computer System", kurz
VCS. Es wurde zum ersten großen kommerziellen Erfolg der Videospielgeschichte
Damals war bereits Mitchy sein ständiger Begleiter, ein
Cockerspaniel-Pudel-Mischling, der es sogar zu einem eigenen Namensschild an
Jay Miners Bürotür bei Atari brachte und später mit seinem Pfotenabdruck im
Gehäusedeckel der ersten Amiga-1000-Serie unsterblich werden sollte.
1979 entwickelte Jay Miner für Atari den zentralen Baustein der neuen
Homecomputer-Reihe (400 und 800), den Grafikchip "Antic". Dieser Chip blieb
unverändert bis zum Produktionsende der 8-Bit-Ataris 1986 - was einerseits für
den technologischen Vorsprung dieses Bausteins zum Zeitpunkt seines Erscheinens
spricht, andererseits vielleicht auch etwas damit zu tun hat, daß Jay Miner
seine Entwürfe grundsätzlich von Hand zeichnete. Das machte spätere Änderungen
und Erweiterungen sicher nicht einfach.
1982 war Miner bereits wieder bei einer neuen Firma beschäftigt - einem
Hersteller von Herzschrittmachern - als ihn ein Bekannter aus der Zeit bei
Atari, Larry Kaplan, für die Idee eines neuen, revolutionären Videospiels
begeisterte. Die beiden wollten zusammen mit David Morse als Präsidenten
eine Firma aufbauen. Kurz vorher stieg Kaplan aus, so daß Jay Miner nur mit
David Morse zusammen die Firma "Hi Toro" gründete.
Der Name klang ähnlich wie der einer Rasenmäherherstellers. Um dieser
Verwechslung zu entgehen, wurde der Firmenname schleunigst geändert. Die
Firma hieß nun "Amiga". Weitere Mitarbeiter wurden eingestellt: Dale Luck,
R.J. Mical, Dave Haynie. Jay Miner hatte von Anfang an eher die Entwicklung
eines Computers im Hinterkopf, aber die Geldgeber wollten ein Videospiel. So
wurde das Board eines Computers und das Gehäuse einer Videokonsole entwickelt.
Die Entwicklung ging zügig voran, aber das Geld begann knapp zu werden.
Schließlich mußte Amiga aufgeben und wurde nach einigem Hin und Her zwischen
Commodore und Atari im Herbst 1984 an Commodore verkauft. Die
Entwicklermannschaft unter Jay Miner wurde übernommen und machte den ersten
Amiga bis Mitte 1985 serienreif.
Jay Miner hatte die Customchips des Amiga entworfen, die schnell zum Synonym
seiner Leistungsfähigkeit werden sollten: Agnus und Daphne (später Denise) für
die Grafik, Portia (später Paula) für den Sound. Sie verliehen dem Amiga
Fähigkeiten, die die PCs der damaligen Zeit deprimierend alt aussehen ließen:
Bis zu 4096 Farben (CGA hatte 16), einen Blitter (so etwas kam dann später als
"Windowsbeschleuniger" auf VGA-Karten), 512KB Grafikspeicher, 4-stimmiger
Stereosound (PCs konnten nur "Beeep" machen) und so weiter.
Miner wollte den Amiga immer mit Steckplätzen ausstatten. Beim Amiga 1000 wollte
Commodore dies aus Kostengründen nicht. Erst mit dem A2000 sollte der Wunsch
Wirklichkeit werden. Allerdings mit starker Betonung auf die Möglichkeit, den
Amiga PC-kompatibel zu machen, was Jay Miner immer abgelehnt hatte.
Er wirkte noch an der Entwicklung verbesserter Customchips für den Amiga mit,
verließ aber 1989 Commodore - teilweise aus gesundheitlichen Gründen, teils
aus Unzufriedenheit über die seiner Meinung nach unglückliche Produktstrategie.
1990 war Miners Nierenleiden so schlimm geworden, daß eine Transplantation
notwendig wurde. Seine Schwester Joyce Beers spendete ihm das benötigte Organ.
Danach war Jay Miner nochmals als Hardwareentwickler tätig: bei der
Biotechnologiefirma Ventritex entwickelte er einen implantierbaren Defibrilator,
ein Gerät zur Vermeidung von Herzflimmern, das von außen programmiert werden
konnte. Es sollte sein letztes Projekt werden.
Am 20. Juni 1994 starb Jay Miner an Nierenversagen im Krankenhaus von Mountain
View in Kalifornien.
Chronik:
31. Mai 1932:
Jay Miner kommt in Prescott, Arizona zur Welt.
im Juli 1985:
Commodore präsentiert den Amiga
[mehr...]
20. Juni 1994:
Jay Miner stirbt in Mountain View, Kalifornien an Nierenversagen
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