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Atari stand nun mit leeren Händen da - allein mit der Gewißheit, dass Commodore in nächster Zeit einen revolutionären Grafikrechner herausbringen würde. Aus den Verhandlungen mit Amiga kannte Tramiel die technischen Daten von deren Rechner und beauftragte so seinen Chefentwickler Shiraz Shivji mit der Entwicklung eines "Anti-Amiga" binnen eines dreiviertel Jahres.

Ein raffiniertes Chipset wie das des Amiga war in dieser kurzen Zeit nicht drin. Shivji begnügte sich mit einem einfachen Grafikchip nebst dazu passendem Monochrommonitor. Die übrigen Komponenten (Sound, Schnittstellen und Floppycontroller) waren von der Stange.

Auch beim Betriebssystem war ein Kompromiss nötig: Das TOS war ein zugekauftes Programm, das intern gewisse Ähnlichkeiten mit MS-DOS hatte und z.B. das gleiche Diskettenformat verwendete. Darauf setzte die grafische Oberfläche "GEM" von Digital Research auf, das es damals auch für PCs - als Konkurrenzprodukt zu Windows - gab.

Die Entwicklung ging so schnell voran, dass der Atari ST sogar noch kurz vor dem ersten Amiga auf den Markt kam. Mit dem hochauflösenden Monochrommonitor und der grafischen Benutzeroberfläche war er Apples Macintosh sehr ähnlich, kostete aber nur einen Bruchteil davon. So etablierte sich der ST sehr schnell als DTP-System. Durch die serienmäßige MIDI-Schnittstelle zur Steuerung elektronischer Orgeln und Synthesizer entstanden zudem schnell professionelle Musikprogramme, obwohl die eigenen Soundfähigkeiten des ST äußerst bescheiden waren.

Diese beiden Nischen hielt der ST auch lange Zeit besetzt. Als PCs auch in diesen Bereichen die Führungsrolle übernahmen und Macintoshs nicht mehr mit Gold aufgewogen werden mussten, kam das Aus für den ST. Atari war es nicht gelungen, die Maschine nennenswert weiterzuentwickeln, auch wenn regelmäßig Neuerscheinungen zu verzeichnen waren: Mega ST im neuen Gehäuse, STE mit leicht verbesserter Grafik, Mega STE mit schnellerem Prozessor, Stacy als Laptop und das ST Book als Notebook. Einzig der TT und der Falcon stellten größere technische Weiterentwicklungen dar, kamen aber zu spät.

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