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Der PC der Zukunft
Einige Themen tauchen bei nahezu jeder Zukunftsprognose auf - meist als Projekt, das unmittelbar vor der Vollendung stünde, teilweise werden auch neue Produkte mit entsprechenden Attributen versehen, vorausgesetzt sie sind ansonsten hinreichend langweilig. Das seltsame an diesen Themen ist, dass sie sich seit 20 Jahren kaum verändert haben. Hier meine subjektive und völlig willkürliche Bestenliste:

Spracheingabe

Welche technischen Geräte sollten nicht alle schon auf die Stimme ihres Herrn hören - vom Backofen über das Auto bis hin zum PC war da in den letzten 15 Jahren so ziemlich alles mal angekündigt. Bereits 1984 sollte der TI Professional per Sprache bedienbar sein, allerdings nur mit einigen wenigen Kommandos und das auch nicht durchgängig über verschiedene Anwendungen. Seither wurde in schöner Regelmäßigkeit suggeriert, wir stünden an der Schwelle einer Ära, in der auch die simpelsten Alltagsgegenstände aufs Wort parieren.
Ignoriert wurde dabei allerdings, dass für die meisten Menschen die ständige Anwesenheit permanent lauschender Elektronengehirne eine reine Horrorvision ist. Zudem reicht erst die Leistungsfähigkeit der jüngsten PC-Generation aus, die einzig sinnvolle Anwendung der Spracheingabe durchzuführen: Einen Text zu diktieren, der dann direkt am Bildschirm erscheint. Aber auch dies wird immer eine Nischenanwendung bleiben. Oder können Sie sich eine Kassiererin im Supermarkt vorstellen, die sich mit ihrer Kasse unterhält oder eine Beraterin im Reisebüro, die ihr Beratungsgespräch immer wieder unterbricht, um dem Terminal neue Suchanweisungen einzuflüstern?

Künstliche Intelligenz

Mitterweile ist es um diesen Forschungszweig recht ruhig geworden. Offenbar haben die meisten Zauberlehrlinge inzwischen den Versuch aufgegeben, ihren Computern mehr Geist einzuhauchen als die Evolution ihnen selbst zugestanden hat.
Die verschiedenen Ansätze hatten alle erstaunliche Anfangserfolge: Weizenbaums "Eliza" konnte durchaus ein paar Minuten lang ein psychologisches Beratungsgespräch führen, bevor sie sich durch ihre Einsilbigkeit entlarvte. Bereits bescheidene Neuronale Netze waren in der Lage, Bilder wiederzuerkennen. Und Datenbanken mit Alltagswissen konnten Computerprogrammen eine einfache Weltsicht vermitteln, anhand derer sie einfache Sätze verstehen konnten.
Aber das war's dann auch schon. Eine modernere Eliza hielte vielleicht noch ein paar Minuten länger durch, Neuronale Netze werden in einigen wenigen Nischen praktisch eingesetzt und vom wohl ehrgeizigsten (und vielleicht letzten) Projekt zur Speicherung von Alltagswissen "Syke" hat man seit über zwei Jahren nichts mehr gehört. Damals stand es angeblich kurz vor dem Durchbruch, ab dem es sich duch Lektüre von Zeitungen und Büchern selbständig weiterbilden können sollte...

Babelfisch

Die elektronische Realisierung eines Dolmetschers, der gesprochene Sprache versteht und in eine andere übersetzt, steht schon seit Jahren angeblich kurz vor ihrer Vollendung. Mal als tragbares Gerät für den Auslandsurlaub, mal als Dienstleistung bei internationalen Telefongesprächen oder als Hilfe bei mehrsprachigen Konferenzen.
Alles was dabei bisher herausgekommen ist, sind eher träge Übersetzer, die zudem nur einen fatal engen sprachlichen Horizont haben: Mal können Sie nur Ärztekauderwelsch übersetzen, mal nur an der Hotelrezeption helfen. Was fehlt, ist das bereits oben genannte Weltverständnis - ohne dieses wird ein Übersetzungsprogramm die Bedeutung bestimmter Redewendungen niemals aus dem Zusammenhang erschließen können.

Das denkende Haus

Welch schwere Last trägt doch der heutige Mensch mit seinen täglichen häuslichen Verrichtungen: Er muss von Hand die Rolläden öffnen und schließen, von Zeit zu Zeit staubsaugen, Wäsche waschen und sogar die Toilettenspülung will manuell betätigt werden.
Aber all das soll natürlich in naher Zukunft radikal besser werden: Das Haus von morgen ist soweit automatisiert, dass es sogar ganz ohne Bewohner auskäme: Es reinigt sich selbst, optimiert Lichteinfall und Klima, versorgt die Pflanzen, schlägt Einbrecher in die Flucht, entsorgt verdorbene Lebensmittel und ersetzt sie per Internetbestellung durch neue.
Das Problem ist nur, dass das niemand will. Alle schweren körperlichen Tätigkeiten im Haus werden bereits jetzt schon von Maschinen erledigt, jede weitere Automatisierung würde zu einer Bevormundung der Bewohner führen.