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Philosophie
Unix entstand Mitte der Sechziger Jahre im universitären Umfeld. Seine
Entwicklung lief parallel mit jener der Programmiersprache C, dem Aufbau des
ARPANET und der Einführung der ersten lokalen Netze auf Basis von Ethernet.
All diese Entwicklungen fanden sehr schnell ihren Weg in das damals noch
schlanke und flexible Betriebssystem. So stellte Unix für viele neu eingeführte
Dienste die Referenzimplementierung dar, an der sich andere Betriebssysteme zu
orientieren hatten. Das war bei FTP und E-Mail so und sollte sich auch bei den
ersten Webservern nicht ändern.
Leider spaltete sich die Weiterentwicklung von Unix in den 70er Jahren in zwei
Zweige auf: Der eine wurde maßgeblich von der amerikanischen Telefongesellschaft
AT&T geprägt und "System V" genannt. Der andere wurde an der Universität von
Berkley weiterentwickelt und heißt "BSD Unix". Es entstanden zwei Parteien, die
in erbitterter Konkurrenz zueinander standen. Die meisten kommerziellen
Unix-Implementierungen orientierten sich eher an System V, dazu zählt auch
Linux. Auch zu BSD gibt es einen freien Ableger namens NetBSD, der aber trotz
vergleichbarer Qualität nicht mit Linux mithalten kann. Mittlerweile wurden
zahlreiche Dienste, die bei BSD besser gelöst waren, in die eher an System V
orientierten Implementierungen übernommen. Deswegen ist heute der Disput dieser
beiden Varianten weitgehend ausgestanden. Auch die verschiedenen
Hardwarehersteller, die jeweils ihre eigenen Unix-Derivate gebastelt hatten
und durch gewisse Eigenheiten ihre Kunden bei der Stange zu halten versuchten,
passen sich zunehmend an ein einheitliches System an. Trotzdem bleibt Unix sehr
uneinheitlich: Jeder Hersteller hat eigene Konfigurationshilfen erstellt, die
einzelnen Komponenten stammen aus den unterschiedlichsten Quellen und zeigen
in Konfiguration und Betrieb teilweise einen recht penetranten "Stallgeruch".
Dafür sind aber viele Ideen, die in Unix stecken, über Jahrzehnte optimiert
worden. Zu unglücklichen Lösungen wurden früher oder später bessere Alternativen
programmiert und eingeführt. Fast immer ist das Bestreben erkennbar, Dienste
leicht konfigurierbar zu machen. Vor allem kann man bei Unix meist sehr leicht
herausfinden, welche Dateien zu welchem Dienst gehören und bei Problemen als
Ursache in Frage kommen. Konfigurationsdateien sind ohnehin fast immer einfache
Texte, die keine Informationen "verstecken" können und zudem meist bereits im
Text in Form von Kommentaren eine rudimentäre Dokumentation enthalten.
Windows NT entstammt einer Gemeinschaftsentwicklung von Microsoft mit IBM. Das
Ergebnis sollte ein völlig neuer, stabiler und moderner Betriebssystemkern
sein, der keine Kompromisse im Bezug auf ältere Software eingehen sollte.
Leider hielt die Vernunftehe nicht bis zum fertigen Produkt durch, und so
baute IBM aus den Übrigbleibseln sein OS/2 zusammen und Microsoft versah die
gemeinsam entwickelte Basis mit einer etwas unglücklichen Adaption der
Oberfläche von Windows 3.0. Das Ergebnis wanderte als Windows NT 3.0 in die
Läden. OS/2 entsprach dabei wesentlich eher der ursprünglichen Zielsetzung.
Es hatte die modernere Oberfläche und konnte alte Windows-Anwendungen in einem
geschützten Bereich ablaufen lassen, wobei nur diese die antiquierte
Windows-3.0-Optik erhielten.
Nach anfänglichen Erfolgen begann das Interesse an OS/2 zu erlahmen. Kaum ein
Softwarehersteller wollte echte OS/2-Programme herausbringen, solange die
eigenen Programme in der Windows-Emulation von OS/2 gut liefen. Mit der
Einführung von Windows 95 schwanden die Marktchancen von OS/2 zusehends:
Eine Windows-95-Emulation war aus lizenzrechtlichen Gründen nicht zu machen
und Windows 95 hatte ohnehin eine mindestens ebenso gute Oberfläche wie OS/2.
Deswegen zog sich IBM aus dem Consumermarkt zurück und pflegt seither OS/2
nur noch für die zahlreichen Kunden aus dem Umfeld von Banken und
Versicherungen, die sehr stark auf OS/2 gesetzt hatten.
Microsoft gelang es dagegen, mit Windows NT 3.51 ein einigermaßen konsistentes
System auf den Markt zu bringen. In Sachen Bedienbarkeit wurde es aber erst mit
der Version 4.0 konkurrenzfähig - es hatte die Oberfläche von Windows 95
bekommen. Seither müht sich Microsoft um die Verschmelzung der
Betriebssystemkerne von Windows 95/98/ME mit dem von Windws NT/2000.
Obwohl Windows NT/2000 von nur einer Firma stammt, wurde erst mit der neuesten
Version ein durchgängiges Bedienungskonzept erreicht. Alle Einstellungen können
in leicht verständlichen Dialogen, teilweise unterstützt durch Agenten und
Hilfeseiten, vorgenommen werden. Die Kehrseite der Medaille: Die fertigen
Konfigurationen stecken uneinsehbar in binären Konfigurationsdateien oder in
einer zentralen Datenbank, der Registry. Diese kann zwar mit dem Programm
regedit eingesehen werden, enthält aber keinerlei Informationen über die
abgelegten Daten. Zudem kann man in einem Einstellungsdialog leicht eine
Option oder ein Subfenster übersehen, da die Konfiguration nicht linear
abläuft. Möglicherweise gerät man an einen Agenten, der just die benötigte
Option nicht abfragt - dann muss die Einrichtung nachträglich nochmals
angepasst werden.
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