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Mobilfunknetze
Im Bereich mobiler Sprachkommunikation war Deutschland von Anfang an in einer
internationalen Spitzenposition. Bereits 1958 wurde das handvermittelte A1-Netz
in Betrieb genommen, das bis 1970 bereits 80% der Fläche und 95% der
Bevölkerung der Bundesrepublik abdeckte. Die Netze A2 und A3 wurden zum weiteren
Ausbau der Kapazität eingeführt, trotzdem war die Kapazitätsgrenze bei 11000
Teilnehmern erreicht. Zudem waren für die Handvermittlung zuletzt 600 Personen
nötig, je 18 Teilnehmer mussten also quasi einen Mitarbeiter "ernähren", was
die Preise auf hohem Niveau hielt.
Ab 1972 ermöglichte das B-Netz die Selbstwahl. Bereits 1979 erreichte es die
Kapazitätsgrenze von 13000 Teilnehmern und wurde um das B2-Netz ergänzt, welches
aber 1986 mit 27000 Teilnehmern ebenfalls voll war.
1986 kam schließlich das C-Netz auf den Markt, das gewaltige Verbesserungen
gegenüber seinen Vorgängern hatte: Die Gespräche wurden codiert übertragen, die
Kapazitätsgrenze lag bei 400000 Teilnehmern, es waren tragbare Endgeräte möglich
(ab 700 g), der Benutzer hatte eine SIM-Karte zur Verhinderung unberechtigter
Benutzung und vor allem musste der Anrufer den Aufenthaltsort seines
Gesprächspartners nicht mehr kennen. Das C-Netz ist noch in Betrieb, wird aber
voraussichtlich Mitte 2001 abgeschaltet.
Bereits 1982 setzte die CEPT (Vereinigung der europäischen Post- und
Telekommunikationsdienstleister) eine Arbeitsgruppe ein, die einen einheitlichen
Standard für die Mobilkommunikation in Westeuropa entwickeln sollte. Die Gruppe
wurde "Groupe Speciale Mobile", kurz GSM genannt. Dies sollte dann auch als
Bezeichnung des aus der Arbeit der Gruppe hervorgegangenen Standards erhalten
bleiben, wurde aber als "Global System for Mobilcommunications" umgedeutet.
Etwa um 1987 fiel die Entscheidung, GSM als digitales System aufzubauen, 1990
wurden erste Testnetze aufgebaut. Am 1.7.1992 gingen dann in Deutschland die
Netze D1 und D2 an den Start. Erstmals gab es damit mit Mannesmann Mobil neben
der Telekom auch einen privaten Anbieter für Telekommunikationsdienstleistungen.
Später wurde mit DCS-1800 eine Erweiterung für GSM in einem anderen
Frequenzbereich spezifiziert. Diesen Standard nutzte zunächst nur E-plus, seit
1998 kam noch Viag Interkom mit dem E2-Netz ("Genion") hinzu. Da der Platz im
900 MHz-Band mittlerweile knapp wird, haben sich auch D1 und D2 im Oktober 2000
noch zusätzliche Frequenzen im 1800 MHz-Band gesichert. Da die meisten Handys
heute mit beiden Standards zurecht kommen (Dual Band Handys), stellt dies kein
Problem dar.
Die Zahl der Nutzer von Mobiltelefonen wächst stetig und mit den sinkenden
Preisen und der Einführung von Prepaid-Angeboten hat sich auch das Nutzerprofil
vom Geschäftsreisenden hin zur breiten Masse der Bevölkerung entwickelt, mit
einem besonderen Schwerpunkt bei Jugendlichen.
GSM ist ein offener Standard, was sich nicht nur in einer großen Zahl an
Anbietern von Endgeräten niederschlägt, sondern auch auf Seiten der
Vermittlungstechnik zu einer gewissen Auswahl führt. Stark sind hier
beispielsweise Siemens und Alcatel vertreten.
GSM zählt mit seiner digitalen Datenübertragung als Mobilfunkstandard der
zweiten Generation. Neben der Sprachkommunikation ermöglicht er auch die
Übertragung digitaler Daten, allerdings mit maximal 9600 Bit/s. Momentan
werden mit GPRS, HSCSD und Edge verschiedene Wege zur Kanalbündelung eingeführt,
die die Übertragungsbandbreite erhöhen und eine volumenabhängige Abrechnung
einführen. Hier spricht man dann von der "zweieinhalbten" Generation.
Die dritte Generation, auch als "3G" abgekürzt, wird mit dem neuen UMTS-Standard
erreicht. Dafür befinden sich die Endgeräte noch in Entwicklung, erste
UMTS-"Handys" haben heute noch Kühlschrankgröße. Die Frequenzen wurden in den
meisten Ländern in den Jahren 2000 und 2001 vergeben - meist in einer Art
"Schönheitswettbewerb" unter den sich für den Netzaufbau interessierenden
Firmen. In England und Deutschland gab es hingegen eine Versteigerung. In
Deutschland müssen die sechs Gewinner der Auktion jeweils über 8 Milliarden Euro
allein für die Lizenzen aufbringen, zusammen also über 50 Milliarden Euro!
Zusammen mit den Kosten für die Infrastruktur sind damit Vorleistungen zu
erbringen, die eine zügige Amortisation der Aufwendungen sehr unwahrscheinlich
machen. Zudem fehlt es noch an einleuchtenden Anwendungen für die höheren
Übertragungsraten - der Misserfolg von WAP und das mäßige Interesse an
2,5G-Handys lassen die Telekomfirmen mittlerweile das Schlimmste befürchten.
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