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GSM - HSCSD, GPRS und Edge
HSCSD:
HSCSD steht für High Speed Circuit Switched Data und ermöglicht höhere
Übertragungsraten für Daten, indem mehrere GSM-Kanäle zusammengeschaltet werden.
Dazu ist auf der Seite des vermittelnden Netzes nur eine Softwareänderung
vorzunehmen, hardwareseitig ist alles Nötige schon vorhanden. Anders sieht
die Sache bei den Endgeräten aus. Bei Handys ist kein Softwareupdate
vorgesehen und so bleibt HSCSD neuen Geräten vorbehalten, die bereits dafür
ausgelegt sind. Die ersten HSCSD-fähigen Geräte auf dem deutschen Markt sind
das Nokia 6210 und das Nokia Card Phone 2.0.
HSCSD erhöht die Datenrate pro Kanal von 9600 Bit/s auf 14400 Bit/s, indem die
Fehlerkorrektur weniger aufwendig ausgelegt wird. Dabei steigt aber das Risiko
von Übertragungsfehlern - ist die Verbindung nicht gut genug, muss wieder auf
9600 Bit/s zurückgeschaltet werden.
Theoretisch könnten bei HSCSD alle acht Bursts eines TDMA-Frames belegt werden,
was eine Datenrate von 115,2 kBit/s ergäbe. Damit würde aber ein Teilnehmer eine
gesamte Trägerfrequenz für sich beanspruchen, was zur Beeinträchtigung der
Verfügbarkeit für andere Teilnehmer führen könnte. Daher limitieren die
Netzbetreiber die Maximalzahl gleichzeitig belegbarer Kanäle auf 3 oder 4
(43,2 kBit/s oder 57,6 kBit/s). Mehr wäre momentan auch nicht sinnvoll, weil
als Gegenstelle im Festnetz momentan nur ein einfacher B-Kanal ohne
Kanalbündelung möglich ist, der ja nur 64 kBit/s zur Verfügung stellt.
Die Netzbetreiber konfigurieren ihre Netze normalerweise so, dass nur dann
HSCSD-Kanäle bereitgestellt werden, wenn diese nicht für Sprachverbindungen
benötigt werden. Man kann deswegen auch bereits zugeteilte Kanäle während der
Verbindung wieder entzogen bekommen. Zudem ist auch eine asymmetrische
Verbindung möglich. Der Nutzer erhält dann z.B. zwei Kanäle zum Empfang, aber
nur einen zum Senden von Daten.
Die Übertragungskosten bemessen sich bei HSCSD nach der Zeit und den belegten
Kanälen - bei vier Kanälen zahlt man folglich auch den vierfachen Preis für die
Verbindung.
GPRS:
Bei General Packet Radio Services handelt es sich um einen permanenten
Internet-Zugang für Mobilgeräte. Man schließt dafür mit dem Netzbetreiber
einen Vertrag ab - dieser wird dadurch gleichzeitig zum Internetprovider. Die
Daten werden bei GPRS paketweise übertragen, wobei der Netzbetreiber jeweils
entscheidet, wie viele Datenkanäle er für die Übertragung erübrigen kann. Unter
idealen Voraussetzungen, d.h. wenn die Trägerfrequenz ansonsten unbenutzt ist,
kann GPRS alle acht Kanäle belegen. Die Basis-Übertragungsrate kann zudem
abhängig von der Güte der Übertragung in vier Stufen variiert werden: Coding
Scheme 1 liefert die höchste Übertragungssicherheit bei nur 9,05 kBit/s, Coding
Scheme 2 bringt es auf 13,4 kBit/s. Noch nicht implementiert in den deutschen
Mobilfunknetzen sind Coding Scheme 3 (15,6 kBit/s) und 4 (21,4 kBit/s), da
hier Änderungen an der Datenübertragung zwischen BSC und Basisstation nötig
wären. Somit ist momentan die realistische Übertragungsrate 4 x 13,4 kBit/s =
53,6 kBit/s, das Maximum liegt beim doppelten (107,2 kBit/s) und das
mit dieser Technik machbare bei 8 x 21,4 kBit/s = 171,2 kBit/s. Letzteres
aber nur, wenn es von den Netzbetreibern überhaupt eingeführt wird.
Die Verbindung ist bei GPRS permanent vorhanden, d.h. es findet keine
Internet-Einwahl statt, sondern das Gerät ist jederzeit online. Das ermöglicht
z.B. die direkte Zustellung von E-Mails auf das Endgerät, ohne dass dieses sich
erst zur Abholung einwählen müsste.
Die Bezahlung erfolgt bei GPRS nach der übertragenen Datenmenge, unabhängig
von der Übertragungsgeschwindigkeit. In Zukunft wird es jedoch möglich sein,
mit dem GPRS-Zugang die gewünschte Leistungsklasse festzulegen. Damit erhält
derjenige, der mehr bezahlt auch eine höhere Priorität bei der Übertragung.
Edge:
Edge (Enhanced Data Rates for GSM Evolution) basiert auf einer Weiterentwicklung
des GSM-Standards und würde einen Austausch zumindest eines Teils der
Vermittlungstechnik bei den Mobilfunknetzbetreibern erfordern. Angesichts der
Investitionen in UMTS ist es fraglich, ob noch ein Betreiber diesen kostspieligen
Zwischenschritt machen wird.
Edge ist als Erweiterung von HSCSD und GPRS gleichermaßen geeignet und heißt dann
ESCD bzw. EGPRS. Beide behalten dabei ihre grundsätzlichen Charakteristika,
stellen aber Datenraten von theoretisch bis zu 473,6 kBit/s zur Verfügung, wobei
in der Praxis mit ca. 170 kBit/s gerechnet wird.
Edge würde darüber hinaus auch eine höhere Auslastung der bestehenden
Frequenzen mit normalen Gesprächsverbindungen zulassen. So wären mehr Gespräche
vermittelbar, ohne die Funkzellen verkleinern und zusätzliche Basisstationen
aufstellen zu müssen.
Was wofür?
HSCSD ist sehr gut geeignet, um direkte Datenverbindungen aufzubauen, bei denen
es um Geschwindigkeit geht. GPRS dient dagegen eher als Internetzugang mit
Always-On-Funktionalität. Das kann einerseits für die Anbindung von
Außendienstmitarbeitern an das LAN der Zentrale nützlich sein, erfordert aber
eine Absicherung der Verbindung gegen Mithören, z.B. durch den Einsatz eines
VPN-Routers an beiden Endstellen. Beiden Varianten gemein ist momentan noch
der horrend hohe Preis. Um mit annähernd ISDN-Geschwindigkeit im Internet zu
surfen, zahlt man bei HSCSD momentan noch das vierfache dessen, was man für
ein Handygespräch zum gleichen Zeitpunkt zahlen müsste. Bei GPRS beträgt die
Gebühr ca. 1 pf / kByte - eine einzige durchschnittliche Webseite mit 50 KB
schlägt also schon mit 50 Pfennigen zu Buche.
Die Netzbetreiber suchen momentan noch nach Diensten, die GPRS und HSCSD, auch
in Verbindung mit dem größtenteils verschmähten WAP interessant machen. Dazu
wollen sie z.B. die Ortbarkeit von Handys im GSM-Netz nutzen. Sogenannte
Location Based Services können abhängig vom Standort beispielsweise die lokale
Wettervorhersage, das Programm des nächsten Kinos oder die Schnäppchen der
umliegenden Geschäfte auf das Handydisplay bringen. Dies kann auch durch
Push-Dienste erfolgen, d.h. man muss die Informationen nicht abholen, sie
werden (wenn man damit einverstanden ist) direkt aufs Handy übertragen.
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