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ISDN

Die Vorbereitungen für ISDN begannen in Deutschland um 1982, die ersten regulären Anschlüsse gab es ab 1988 in einigen Großstädten. Damit war Deutschland international in einer Spitzenposition. Allerdings setzte sich der von der Bundespost favorisierte Standard "1TR6" europaweit nicht durch, weswegen auch in Deutschland seit 1993 das als "DSS1" genormte Euro-ISDN eingesetzt wird. Die wenigen verbliebenen 1TR6-Anschlüsse werden im Moment noch weiterbetrieben, ein Abschalttermin wurde bereits mehrfach angekündigt und dann doch wieder verschoben. Allerdings werden bereits seit etlichen Jahren keine neuen Anschlüsse nach 1TR6 mehr gelegt.

ISDN (Integrated Services Digital Network) ermöglicht den direkten Anschluß von digital arbeitenden Geräten an das Telefonnetz. Da so wesentlich vielfältigere Dienste über einen Anschluss realisiert werden können, spricht man vom "dienstintegrierenden Netz". Es löste damit zahlreiche Vorgängernetze ab, die Datendienste bereitstellten, z.B. Datex-P (X.25, paketvermittelndes Netz), DDV (Daten-Direktverbindung, eine digitale Standleitung), Telex und Teletext. Heute wird ISDN neben der Telefonie hauptsächlich für die Einwahl ins Internet, zur Verbindung von EDV-Geräten untereinander oder zur Koppelung von LANs verwendet. Einige der für ISDN vorgesehenen Anwendungen, z.B. ISDN-Faxe und Bildtelefonie existieren zwar, fanden aber zumindest bisher keine große Verbreitung.

Der normale ISDN-Anschluss stellt zwei Datenkanäle (B-Kanäle) mit je 64 Kbit/s bereit, die mit verschiedenen aber auch der gleichen Gegenstelle verbunden sein können. Hinzu kommt noch ein Kanal (D-Kanal) mit 16 Kbit/s, der ausschließlich der Signalisierung dient. Darüber wird z.B. die anzurufende Telefonnummer übermittelt. Gegenüber einem analogen Telefonanschluss bietet ISDN einige Komfortmerkmale:
  • Anzeige der Rufnummer des Anrufers
  • Übermittlung von Gebühreninformationen
  • Anrufweiterschaltung weltweit ("verbinden")
  • Dreierkonferenz
  • Anklopfen
Beim früheren nationalen ISDN (1TR6) erhielt jeder Teilnehmer eine Rufnummer, die dann für die angeschlossenen Geräte um eine Stelle ergänzt wurde, die sogenannte EAZ (Endgeräte-Auswahlziffer). Dies wurde im Euro-ISDN dadurch ersetzt, dass jeder Teilnehmer drei verschiedene Rufnummern mit seinem Anschluss erhält, die jedoch nicht zwingend aufeinanderfolgend sind. Diese heißen MSN (Multiple Subscriber Number). Weitere Nummern können zusätzlich bestellt werden.

Der ISDN-Anschluss wird in Form eines Netzabschlusses (NT, Network Terminator) geliefert. Dabei handelt es sich um eine kleine Box mit Schraubklemmen, zwei RJ-45-Anschlüssen und einem Netzkabel. Bei Neuanschlüssen wird direkt ein NT von der Telekom geliefert, bei der Umstellung eines bestehenden Telefonanschlusses erhält man den NT zugesandt und kann ihn selbst an der bestehenden Telefondose einstecken. Das Netzkabel am NT muss nur eingesteckt werden, wenn Geräte ohne eigene Stromversorgung angeschlossen werden sollen (z.B. Telefon ohne eigenes Netzteil). Bei Anschluss z.B. eines PCs mit ISDN-Karte oder eines ISDN-Routers kann darauf verzichtet werden.

Abgesehen vom normalen ISDN-Anschluss gibt es noch einige Sonderformen:
  • ISDN-Standleitung: Hier werden zwei Teilnehmer fest miteinander verbunden, wahlweise mit 64 oder 128 Kbit/s. Die Datenverbindung steht permanent, es ist also nicht möglich, einen anderen Teilnehmer anzuwählen. Diese Variante wird normalerweise für Weitverkehrsverbindungen geringer Bandbreite benutzt. Sind zwei Endgeräte in mehr als 20-30% der Zeit miteinander verbunden, ist eine Standleitung normalerweise günstiger als eine Wählverbindung. Zudem fallen bei einer Standleitung naturgemäß die Verzögerungen beim Verbindungsaufbau weg.
  • Telefonanlagenanschlüsse: Eine Telefonanlage mit z.B. 50 Teilnehmern in einer Firma mit "normalem" Gesprächsaufkommen benötigt ca. 6 - 8 Leitungen nach draußen, da normalerweise nie mehr Gespräche gleichzeitig stattfinden. Dafür gibt es spezielle ISDN-Anschlüsse mit je zwei Amtsleitungen, die als Anlagenanschlüsse zusammengeschaltet werden und dann wie ein einzelner ISDN-Anschluss mit entsprechend mehr Leitungen funktionieren. Diesen wird normalerweise ein ganzer Rufnummernblock mit zwei oder drei Stellen zugewiesen.
  • Primärmultiplexanschlüsse: Hier werden 30 ISDN-Kanäle zusammengefasst. Sie können dann entweder für eine größere Telefonanlage als Anlagenanschluss genutzt oder als Standleitung mit einer Bandbreite von 2 Mbit/s eingesetzt werden.